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Die Kreisvolkshochschule wird 75 Jahre alt

Die Kreisvolkshochschule Limburg-Weilburg begeht in diesem Jahr ihr 75-jähriges Jubiläum und feiert dieses im Herbst mit einigen Veranstaltungen.

Als nach dem Kriegsende 1945 die staatliche Gewalt auf die Alliierten übergegangen war, gaben diese sich im Potsdamer Abkommen die Aufgabe „…einer umfassenden Überwachung der schulischen und Erwachsenenbildung, um nazistisches und militärisches Gedankengut … entfernen zu können“ (aus Josef Olbrich: „Geschichte der Erwachsenbildung in Deutschland“, Stuttgart 1978). In Frankfurt (Januar 1946) und Nürnberg (Dezember 1945) wurden Volkshochschulen wiedereröffnet.

Im Jahr 1949 wurde das Volksbildungswerk des Landkreises Limburg als Verein gegründet, zum Vorsitzenden wird der örtliche Schulrat Wolfgang Scholz gewählt. Anno 1952 umfasste das Arbeitsprogramm allgemeinbildende Vortragsabende, mitbürgerliche Diskussions- und Filmabende, Berufsfortbildungsabende und Exkursionen, Dorfabende und Gemeinschaftsveranstaltungen) Der Kreis gab einen finanziellen Zuschuss von 500 DM.

Unter dem Geschäftsführer Giovanni Da Via wurde das Bildungsangebot des Volkbildungswerks um Seminare zur rechtlichen Fragestellungen und Exkursionen erweitert. Und die Mitgliederversammlung beschloss anno 1969 die Umbenennung in „Volkshochschule“, womit der stärkeren Ausrichtung auf den Kursbetrieb, d.h. Lehrveranstaltungen mit mehreren Abendterminen pro Semester, Rechnung getragen wurde.  Ein Jahr später, am 15. Mai 1970 trat das hessische Volkshochschulgesetz in Kraft.  Es folgte eine deutliche Professionalisierung der Erwachsenenbildung durch die Gewährungen von Landeszuschüssen und die Vorgabe, gemäß der jeweiligen Einwohnerzahl fachkundiges Personal zu beschäftigen. Das Angebot wuchs, die Zahl der Teilnehmenden stieg. Anno 1971 wurden im Kreisgebiet Limburg 325 Kurse durchgeführt. Und zwei Jahre später, also 1973, startete der erste Lehrgang der Abendrealschule.

In Weilburg wurde 1951 unter Vorsitz von Landrat Dr. Arnold Schuster das Volksbildungswerk Oberlahn e.V. gegründet. Werner Langschied übernahm 1952 die Geschäftsführung und konnte verkünden, dass im Jahr 1959 in 22 Gemeinden des Oberlahnkreises Veranstaltungen stattgefunden haben.  

Anno 1968 erfolgte die Umbenennung des Volksbildungswerkes Oberlahn in „Kreisvolkshochschule Weilburg". Mit Klaus Gelbhaar wurde erstmals ein hauptberuflicher Geschäftsführer berufen, er leitete die vhs in Weilburg fast 20 Jahre.

Fusion zur Kreisvolkshochschule Limburg-Weilburg e.V.

Die Gebietsreform der 1970er Jahre hatte auch Einfluss auf die beiden Volkshochschulen. Die Gründungsversammlung der gemeinsamen Kreisvolkshochschule Limburg-Weilburg e.V. fand am 11.12.1974 in Obertiefenbach statt.  In den Vorstand wurden gewählt: Wolfgang Scholz (Vorsitzender), Kurt Leuninger (stv. Vorsitzender), Landrat Heinz Wolf, Bodo Abt, Karl-Heinz Blättel, Reinhold Föhr, Dr. Ernst Hofmann, Rudi Horz, Erich Valeske, Ernst Weber und Georg Wuermeling.

Im Jahr 1975 starteten die Lehrgänge zur Ausbildung von Berufskraftfahrern sowie die Zertifikatskurse im Fräsen, Drehen und Schweißen. Die erste Forumsveranstaltung befasste sich mit „Lernstörungen in der Schule“. Und Sprachkurse fanden sozusagen exterritorial 1977 in England statt. Die inhaltliche Angebotsentwicklung ging parallel zur Personalentwicklung: Die Anzahl der vhs-Dozenten/-innen steigerte sich von 34 (anno 1960) auf 98 (anno 1970) und 337 (anno 1980).

Günter Schmitt leitete die vhs 40 Jahre lang

Der Erste Kreisbeigeordnete Günter Schmitt aus Elz wurde 1982 zum Vorsitzenden gewählt. Dieses Ehrenamt füllte er 40 Jahre lang mit großem Engagement, sicherem Weitblick und Empathie erfolgreich aus. Sein langjähriger Stellvertreter war Kurt Leuninger, der zuerst als staatsbeauftragter Landrat und später als Löhnberger Bürgermeister viel Gutes für die vhs bewirkt hat.

Programmentwicklung

Die Volkshochschule ermöglichte durch intensive Lehrgänge, die Fachhochschulreife (in der Fachrichtung Wirtschaft–Verwaltung) zu erreichen.  Im Jahr 1986 wurden erstmals Zertifikate „EDV für Kaufleute“ und „Wirtschaftsenglisch“ ausgestellt. Und die vhs organisierte in Limburg zum ersten Mal eine Gesundheitswoche, wo zahlreiche Partner ihre Produkte vorstellten und fachkundige Vorträge abhielten. Umwelt- und Artenschutzseminare nahmen einen zunehmend größeren Raum ein. Sprachkurse für Aussiedler fanden im gesamten Kreisgebiet statt. 

Das Weiterbildungszentrum der vhs, die frühere Obermayr-Schule, wurde 1992 gekauft und umgestaltet, so dass dort Fachräume für PC-Technik und Maschineschreiben vorhanden waren. Im Oktober 1994 übernahm Michael Schneider (Dornburg) die Leitung der vhs. In diesem Jahr fand ein Freundschaftsfest gegen Fremdenhass statt, an dem sich hessenweit viele Volkshochschule beteiligten.

Anno 1996 beendete die vhs ihren Lehrgang „IHK-Abschluss Bürokaufmann/-frau“ mit 20 erfolgreichen Prüflingen. Die Naturheilkundetage der vhs rückten 1998 alternative Heilverfahren in den Mittelpunkt. 

Im Jahr 2001 hatte die vhs 14 unterschiedliche Sprachen im Angebot: Den Schwerpunkt bilden bis heute die Sprachen Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch, wo es jeweils mehrere Anfänger- und Konversationskurse gibt. Bei den „selteneren Sprachen“ gab es u.a. Kurse in Arabisch, Chinesisch, Japanisch, Neugriechisch, Niederländisch, Polnisch, Rumänisch, Russisch und Türkisch.

An der vhs startete das vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geförderte, dreijährige Projekt „Ost-West-Integration“ (OWI), welches gemeinsame Veranstaltungen für Neubürger und „Einheimische“ organisierte. Neben Begegnungsfesten fanden Besuche beim Hessischen Landtag und in Rathäusern des Landkreises statt. Das hiesige OWI-Projekt zählte zu den zehn besten in Deutschland und wurde vom BAMF ausgezeichnet.

Statistisches

Die Zahlen der Kurse und der Teilnehmenden stiegen kontinuierlich an. Mitte der 1990er Jahre konnten mehr als 20.0000 Teilnehmer/innen im Kalenderjahr gezählt werden. In ihren 17 ehrenamtlich geleiteten Außenstellen und den beiden Hauptstellen in Limburg und Weilburg fanden in den letzten drei Jahrzehnten durchschnittlich 1.600 Kurse und Seminare pro Jahr statt. -  Aufgrund von politischen, gesellschaftlichen Entwicklungen wurde der Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ enorm ausgebaut. Sehr viele Menschen haben in der vhs die deutsche Sprache erlernt und entsprechende Prüfungen abgelegt.

Diese positive Entwicklung wurde durch die Corona-Pandemie heftig ausgebremst. Nahezu alle Kurse mussten abgebrochen werden oder gänzlich ausfallen. In den Jahren 2020 und 2021 gingen die Teilnehmerzahlen um rund 50 % zurück.  Mit vielfältigen Bemühungen und Unterstützungen ist es gelungen, diese Phase zu überstehen.

Landrat Michael Köberle an der Spitze der vhs

Einen Wechsel gab es an der Spitze des vhs-Vorstandes. Landrat Michael Köberle wurde im Oktober 2021 zum Vorsitzenden gewählt. Der Landrat hat in einer durch Corona bedingten schwierigen Phase den vhs-Vorsitz übernommen und „das Schiff auf Kurs gehalten“. Ihm zur Seite steht Silvia Scheu-Menzer, die Bürgermeisterin Hünfeldens, sie ist seit 2013 stellvertretende vhs-Vorsitzende.

Seit dem Jahr 2022 gibt es einen Aufwärtstrend zu verzeichnen, weil wieder deutlich mehr Kurs angeboten werden konnten und die Teilnehmerzahlen anstiegen. Im vergangen Jahr haben mehr als 16.000 Menschen ihren Weg in die vhs-Veranstaltungen gefunden.

Jubiläumsveranstaltungen

Zu ihrem 75-jährigen Bestehen hat die vhs einige Veranstaltungen für den Herbst geplant. 

Die vorgenannten Jubiläumsveranstaltungen werden mit Foldern beworben, die in Bäckereien, Rathäusern und den Geschäftsstellen der vhs ausliegen. Nähere Informationen finden Sie hier. Anmeldungen sind ab sofort über unsere Webseite sowie unter Telefon (06431-91160 und 06471-2125) möglich. Die Kreisvolkshochschule freut sich auf zahlreiche Besucherinnen und Besucher.

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